Zu früh gefreut und eine Nacht mit Pfoten im Bett

Manchmal denke ich, wir hätten etwas gelöst.

Dann lachen meine Hunde.

Gestern Abend war es wieder so weit.

27 Grad im Haus.

Ab 26 Grad sind Enjah und Flusen ungefähr der Meinung, dass ein würdiges Weiterleben nur noch unter klimatechnischer Betreuung möglich ist.

Also packten wir unsere Sachen und zogen ins Außenbüro.

Klimaanlage.

Ruhe.

Kühle Luft.

Perfekt.

Dachte ich.

Das große Luftmatratzenabkommen

Das Problem:

Luftmatratzen.

Wenig Platz.

Zwei Hunde, die selbstverständlich davon ausgehen, dass jede waagerechte Fläche gemeinschaftliches Rudelvermögen ist.

Also klare Ansage:

Ihr schlaft auf euren Plätzen.

Nicht bei uns.

Nicht auf der Matratze.

Nicht halb.

Nicht versehentlich.

Nicht mit einem Körperteil.

Das fanden beide überraschend verhandlungswürdig.

Vor allem nachts.

Ich weiß nicht, wie oft wir diskutiert haben.

Oder genauer:

Ich habe gesprochen.

Flusen hat widersprochen.

Enjah hat ausprobiert.

Irgendwann bin ich eingeschlafen.

Das Wollknäuel des Grauens

Mitten in der Nacht werde ich wach.

Und da liegen wir.

Alle.

Auf engstem Raum.

Ein menschlich hundliches Wollknäuel auf einer Luftmatratze, die vermutlich still um ihre Statik fürchtete.

Ich dachte nur:

Zum Glück ist es hier wenigstens nicht heiß.

Die Hunde wirkten dagegen ausgesprochen zufrieden.

Fast so, als hätten sie gesagt:

„Endlich.

Klein.

Eng.

Alle übereinander.

So hatten wir uns Klimaanlage vorgestellt.“

Also wieder:

Hunde runter.

Plätze.

Jetzt.

Mit Flusen folgte eine längere Tarifverhandlung.

Er argumentierte emotional.

Ich argumentierte räumlich.

Am Ende ergab er sich und legte sich neben die Matratze.

Ich feierte innerlich einen kleinen pädagogischen Sieg.

Völlig zu früh, wie sich zeigen sollte.

Aber eine Pfote zählt doch nicht als Hund

Ein paar Minuten später spürte ich etwas an meiner Seite.

Ganz vorsichtig.

Fast unschuldig.

Eine Pfote.

Nur eine.

Sie schob sich langsam auf die Luftmatratze.

Millimeterweise.

So ungefähr:

„Der Hund liegt daneben.

Das ist korrekt.

Aber die Pfote?

Die darf doch wohl.“

Und ich ließ sie liegen.

Natürlich.

Warum ihm diese eine Pfote so wichtig war, weiß ich nicht.

Vielleicht Kontakt.

Vielleicht Besitzanspruch.

Vielleicht wollte Flusen einfach nur sicherstellen, dass wir nachts nicht ohne ihn in ein anderes Bundesland rollen.

Jedenfalls lag er neben der Matratze.

Die Pfote darauf.

Vertrag erfüllt.

Rechtssystem ausgehebelt.

Ich war beeindruckt.

Morgens dann: Sportprogramm mit Personalwechsel

Heute Morgen bin ich erst mit Flusen eine längere Runde joggen gegangen.

Danach war Enjah dran.

Nicht laufend, versteht sich.

Weiterhin Schonprogramm.

Also wieder Fahrradanhänger.

Nach unserer ersten traumhaften Fahrt war ich bereits überzeugt:

Wir haben es.

Enjah liebt den Anhänger.

Fantastisch.

Neue Freiheit.

Problem gelöst.

Heute setzte ich sie hinein.

Und Enjah sagte sinngemäß:

„Nein.“

Nicht schüchtern.

Nicht missverständlich.

Ein deutliches:

„Gestern war gestern.

Heute möchte ich selber laufen.

Dieses rollende Gefängnis entspricht nicht meinem aktuellen Lebensentwurf.“

Zu früh gefreut, Teil 847

Ich dachte sofort:

Mist.

Jetzt beginnt das gleiche Theater wie damals mit Flusen.

Bellen.

Aufregen.

Anhängerrebellion.

Menschliche Selbstzweifel.

Das gesamte Premium Paket.

Wir fuhren trotzdem.

Eine gute halbe Stunde.

Und dann geschah etwas Merkwürdiges.

Sie wurde ruhiger.

Nicht sofort.

Aber Stück für Stück.

Und sobald irgendwo ein Hund auftauchte, war sie plötzlich komplett still.

Dann wurde geguckt.

Studiert.

Ausgewertet.

Enjah im mobilen Observatorium.

„Interessant.

Hund links.

Geschwindigkeit mittel.

Körperhaltung entspannt.

Kann weiterfahren.“

Gucken ist offenbar Hochleistungssport

Vielleicht ist genau das ihr Ding.

Nicht einfach gefahren werden.

Sondern dabei die Welt kontrollieren.

Pardon.

Beobachten.

Mit vier Seiten Fenster und Panorama nach oben hat sie dafür immerhin ein beachtliches Lagezentrum.

Und jetzt?

Jetzt schlafen beide.

Flusen auf dem Sofa.

Enjah zu meinen Füßen.

Völlige Ruhe.

Dieses verdächtige Schweigen, bei dem ich inzwischen gelernt habe, mich nicht zu früh zu freuen.

Der Tag ist schließlich noch jung.

Und in diesem Rudel kann zwischen Frühstück und Mittagessen jederzeit noch eine kleine organisatorische Katastrophe stattfinden.

Falls jemand wissen möchte, wie ich aus einer Pfote auf der Luftmatratze, einem protestierenden Fahrradpassagier und zwei schlafenden Aussies schon wieder einen ganzen Text gemacht habe: ChatGPT saß schriftstellerisch mit im Anhänger und durfte selbstverständlich nicht selber laufen.