Ich teile keine Wassermelone. Außer mit Flusen.
Es gibt diese Tage, an denen selbst ich mich ein bisschen überrasche.
Also nicht oft.
Normalerweise weiß ich ziemlich genau, was ich tue.
Auch wenn die Menschen das gelegentlich anders bewerten.
Heute ging es um Wassermelone.
Gefrorene Wassermelone.
Bei diesen Temperaturen ist das keine Mahlzeit.
Das ist Lebensqualität in Rot.
Mein neues Außenbüro
Wir gingen nach hinten ins Gartenhaus.
Ganz hinten.
Am Ende dieses riesigen Gartens.
Dort hat mein Mensch sich inzwischen ein neues Büro gebaut.
Gedämmt.
Neu verputzt.
Gemütlich.
Mit Klimaanlage.
Ich möchte nur kurz festhalten, dass ich persönlich nicht gefragt wurde, ob dieser Raum offiziell als Büro oder als klimatisierter Hundesalon genutzt werden soll.
Ich halte die zweite Variante für deutlich plausibler.
Jedenfalls kamen wir dort an.
Mit einer Box.
Und in dieser Box lag sie.
Die Königin des Sommers.
Die gefrorene Wassermelone.
Gerechte Verteilung. Angeblich.
Die Stücke wurden aufgeteilt.
Ungefähr gleich.
Mit leichten mathematischen Anpassungen, weil Flusen größer ist und ich offenbar mehr vertrage.
Ich habe nicht weiter nachgefragt.
Solange auf meiner Seite genug Melone liegt, respektiere ich wissenschaftliche Berechnungen.
Also aßen wir.
Flusen.
Ich.
Stille.
Kälte.
Glück.
Wenn es einen Himmel für Hunde gibt, gibt es dort vermutlich gefrorene Wassermelone und niemand sagt jemals:
„Das reicht jetzt.“
Dann war Flusen fertig
Natürlich war er zuerst fertig.
Flusen isst manchmal so, als hätte jemand hinter ihm eine Sanduhr umgedreht.
Ich hingegen pflege meine Wassermelone.
Man muss schließlich auch genießen können.
Dann kam er zu mir.
Langsam.
Ganz langsam.
So langsam, dass ich sofort wusste:
Der Herr verfolgt ein Anliegen.
Mein Mensch beobachtete uns.
Sehr genau.
Ich konnte diesen Blick förmlich spüren.
Jetzt kommt gleich was.
Jetzt verteidigt sie bestimmt.
Jetzt wird es interessant.
Menschen lieben solche Momente.
Sie tun immer so, als würden sie nur ruhig beobachten.
Innerlich schreiben sie bereits eine Doktorarbeit.
Flusen fragte nicht direkt
Er näherte sich.
Noch einen Schritt.
Noch einen.
Und ich?
Ich ging drei Schritte zurück.
Einfach so.
Kein Knurren.
Kein steifer Blick.
Kein:
„MEINS!“
Ich machte Platz.
Flusen sah die Melone an.
Dann mich.
Dann wieder die Melone.
Ich glaube, er wollte kurz überprüfen, ob irgendwo eine Falle eingebaut war.
„Das ist jetzt wirklich für mich?“
Ja, Flusen.
Nimm.
„Deine Wassermelone?“
Ja.
„DEINE gefrorene Wassermelone?“
Flusen.
Iss.
Warum ich das gemacht habe
Vielleicht könnte ich jetzt etwas Großes erzählen.
Über Großzügigkeit.
Über Teilen.
Über soziale Kompetenz.
Über meine beeindruckende charakterliche Reife.
Ich würde mich durchaus dafür zur Verfügung stellen.
Aber vielleicht war es viel einfacher.
Es war Flusen.
Mein Flusen.
Der manchmal genervt von mir ist.
Der mich manchmal korrigiert.
Der manchmal aussieht, als würde er sich ernsthaft fragen, warum das Leben ihm ausgerechnet mich zugemutet hat.
Und der trotzdem immer da ist.
Also ging ich zurück.
Nicht weil mir die Melone egal war.
Im Gegenteil.
Gerade deshalb.
Ich mochte sie sehr.
Und vielleicht ist Teilen nur dann wirklich Teilen, wenn man das, was man abgibt, eigentlich selbst gern behalten hätte.
Flusens Sicht der Dinge
Flusen hat das vermutlich weniger emotional betrachtet.
Ich vermute, seine innere Stimme sagte ungefähr:
„Interessant.
Das junge Gemüse entwickelt sich.
Ich nehme das.“
Und dann nahm er sie.
Ganz ruhig.
Ganz selbstverständlich.
Als wäre das schon immer so gewesen.
Mein Mensch schaute uns an, als hätten wir gerade eigenständig einen internationalen Friedensvertrag ausgehandelt.
Dabei habe ich nur drei Schritte rückwärts gemacht.
Menschen sind manchmal wirklich leicht zu beeindrucken.
Vielleicht sind wir längst mehr Rudel, als wir merken
Ich glaube, genau das war das Schöne an diesem Moment.
Es gab nichts Großes.
Keinen Streit.
Keine Ansage.
Keine Aufforderung.
Nur Flusen, mich, ein Stück gefrorene Wassermelone und drei kleine Schritte zurück.
Und plötzlich war da etwas, das man gar nicht festhalten kann.
Dieses leise:
Du darfst.
Ich vertraue dir.
Wir gehören zusammen.
Natürlich würde ich das Flusen niemals so sagen.
Er würde unerträglich werden.
Also bleiben wir offiziell dabei:
Ich hatte einfach keinen Hunger mehr.
Und wer etwas anderes behauptet, muss es erst beweisen.
Dieser Text ist übrigens wie unsere Wassermelone entstanden: Den wichtigsten Teil hatte Enjah schon geliefert, und ChatGPT durfte beim Schreiben ein kleines Stück davon abhaben.