Tag 86: Wenn der Freund plötzlich nur noch Augen für Enjah hat
Spaziergang mit Plot Twist
Gestern beim Spaziergang.
Luca kam an wie immer, als hätte er mit Flusen einen stillen Vertrag.
Du, ich, gleiche Runde, gleiche Insider, gleiche Schnüffelstellen.
Flusen war sofort in diesem Modus, den ich nur als gelassenes Besitzdenken beschreiben kann.
Freund da, Welt okay, Ordnung im System.
Dann sah Luca Enjah.
Und ich schwöre, in seinem Kopf ging ein kleines Fenster auf, wie früher bei Windows.
Sind Sie sicher, dass Sie alles andere schließen möchten.
Ja.
Am Anfang noch dieses höfliche Hunde Hm.
So ein Blick, der sagt: Interessant, aber ich bleibe professionell.
Enjah antwortete mit ihrer Spezialität.
Böse Irritation.
Wer bist du und warum existierst du so nah an mir.
Aber Enjah ist ja nicht kompliziert.
Sie ist einfach da.
Authentisch.
Unaufgeregt.
Von sich überzeugt, ohne irgendwem etwas beweisen zu wollen.
Und Luca wurde mit jedem Meter anhänglicher, als hätte er sich aus Versehen an sie gekoppelt wie ein Bluetooth Gerät.
Irgendwann konnte er den Blick nicht mehr von ihr lassen.
Flusen registrierte das sofort.
Flusen registriert sowas, bevor es überhaupt passiert.
Er tat nur so, als wäre es ihm egal.
So wie Menschen in Meetings, die lächeln und innerlich schon das Protokoll schreiben.
Er lief extra lässig.
Extra langsam.
So erwachsen, als hätte er spontan beschlossen, heute die Rolle des unbeeindruckten Seniors zu spielen.
Und dabei hing sein Blick an Luca wie ein schlecht geklebtes Post it.
Unauffällig.
Aber nicht zu übersehen.
Das ist ein Team, ich sag’s euch
Wenn ich das in ein Team übersetze, sehe ich es glasklar.
Flusen und Luca sind die zwei Kollegen, die immer zusammen Mittag essen.
Die sich im Meeting diese Blicke zuwerfen, wenn jemand wieder etwas sagt, das nach PowerPoint riecht.
Vertrautheit.
Routine.
Ein stilles Wir.
Und dann kommt sie rein.
Die neue Kollegin.
Jung, sehr hübsch, ja.
Aber vor allem.
Einfach.
Unkompliziert.
Authentisch.
So ein ruhiges Selbstbewusstsein, das nicht nach Show schmeckt, sondern nach Sicherheit.
Und plötzlich hat Luca nur noch Augen für sie.
Plötzlich ist er wacher.
Plötzlich lacht er an Stellen, an denen er früher nur genickt hat.
Und Flusen merkt, dass sein Platz nicht mehr selbstverständlich ist.
Nicht weil er schlechter ist.
Sondern weil in Teams nicht Leistung die Luft verändert.
Sondern Aufmerksamkeit.
Diese unsichtbare Währung, die niemand offiziell verteilt und die trotzdem alles verschiebt.
Status ist ein unsichtbarer Napf
Das Gemeine ist.
Niemand muss dafür böse sein.
Luca will nicht verletzen.
Luca ist einfach nur Luca, einmal kurz magnetisiert.
Enjah steht da, als hätte sie nie gelernt, sich kleiner zu machen, damit andere groß bleiben.
Und das ist genau der Moment, in dem in Teams plötzlich etwas kippt.
Nicht laut.
Eher wie ein Stuhl, der minimal wackelt.
Man tut so, als würde man es nicht merken.
Aber der Körper merkt es.
Professionell tun, während innen Sirenen laufen
Flusen wurde auf einmal sehr korrekt.
Sehr höflich.
Sehr glatt.
Wie jemand, der sagt: Alles gut.
Und dabei innerlich den kompletten Chatverlauf der letzten Wochen durchscrollt.
Im Team ist das der Kollege, der plötzlich weniger sagt.
Nicht weil er nichts kann, sondern weil jedes Wort zu viel verraten würde.
Also macht man auf souverän.
Man wird sachlich.
Und hofft, dass niemand merkt, wie sehr man gerade nach Zugehörigkeit tastet.
Ich sehe Flusen an und denke: Du kannst eifersüchtig sein und trotzdem loyal.
Du kannst genervt sein und trotzdem bleiben.
Du kannst betroffen sein und trotzdem würdevoll weiterlaufen.
Und er läuft weiter.
Sehr beleidigt.
Sehr leise.
Sehr tapfer.
Und ehrlich gesagt.
Ich auch.