Tag 85: Launch auf Pause

Der Product Launch ist erst mal verschoben, auf unbestimmt und sobald ich mehr weiß, sage ich es.

Resilienz ist manchmal ein Nein

Nicht die schöne Resilienz

Ich übe gerade Resilienz.

Nicht diese Instagram Resilienz mit Morgenroutine und Zitaten in pastell.

Eher die echte, unsexy Variante.

Die, bei der man merkt, dass Durchhalten nicht immer Stärke ist.

Manchmal ist Stärke das Nein.

Grenzen sind kein Drama

Resilienz heißt für mich gerade nicht, noch mehr auszuhalten, sondern früher zu merken, wann ich innerlich aus dem Raum verschwinde.

Wenn ich nach bestimmten Menschen nach Hause komme und mich fühle, als hätte mir jemand heimlich die Batterie geklaut.

Ich funktioniere noch, ja.

Aber in mir ist es dann so still wie in einem Handy, das auf ein Prozent runter ist und trotzdem so tut, als wäre alles normal.

Es gibt Menschen, die machen mich weich und wach.

Und es gibt Menschen, die machen mich klein, ohne dass sie mich anfassen.

Und genau da gehört dieses Nein hin.

Nicht als Drama.

Als Grenze.

Wie ein Zaun, der nicht schreit, aber sagt: Bis hier und nicht weiter.

Ich habe mich entschieden, nicht mehr zu dieser Hundeschule zu fahren.

Nicht weil niemand dort Ahnung hat, sondern weil mein Nervensystem dort jedes Mal Überstunden macht.

Und ich kenne mich.

Ich bin sehr gut darin, mir einzureden, dass ich mich nur mehr zusammenreißen muss.

Bis ich abends im Bad stehe und plötzlich wieder diesen Ton im Kopf habe.

Nicht den Inhalt.

Den Ton.

Wie ein nasser Lappen, der mir ins Gesicht sagt: Du bist falsch.

Der Körper lügt selten

Resilienz ist für mich, das ernst zu nehmen.

Nicht, weil ich empfindlich bin.

Sondern weil ich gelernt habe, dass mein Körper selten lügt.

Hunde als Wahrheit in Fellform

Flusen kündigt, wenn es nicht passt

Flusen ist mein innerer Betriebsrat auf vier Pfoten.

Wenn etwas nicht stimmt, diskutiert er nicht.

Er kündigt.

Still.

Rute runter, Blick ruhig, Seele raus.

Ein Mitarbeiter, der den Laptop zuklappt und innerlich schon die Übergabe schreibt.

Vier statt zwei

Enjah ist noch die Praktikantin mit Glitzer im Blick, die jedes neue Setting erstmal für eine Einladung hält.

Und genau deshalb war es so ein Moment, als wir statt noch einmal zur Aussi Expertin zu fahren, zu viert zum ersten Mal in diese Agility Gruppe gegangen sind.

Ich, Enjah, Flusen und dieses leise Gefühl in mir, das sonst schon am Parkplatz anfängt, die Fluchtwege zu markieren.

Agility, aber ohne Prüfungsmodus

Ich hatte dieses alte Erwartungsflimmern im Bauch.

Gleich wird irgendwo jemand laut.

Gleich wird es wieder so eng in mir, als müsste ich mich durch einen Türspalt quetschen.

Aber es wurde nicht eng.

Es wurde freundlich.

Und ich habe gemerkt, wie schnell mein Körper entspannt, wenn niemand versucht, mich kleiner zu trainieren.

Enjah hat sich wirklich gut angestellt.

Natürlich ohne Sprünge.

Wir haben nur ganz wenig gemacht, so Junghund mäßig.

Ein bisschen laufen, ein bisschen schauen, ein bisschen koordinieren.

Wie ein erstes Date ohne Druck.

Und sie war da.

Wach.

Bei mir.

Als hätte sie verstanden, dass das hier ein Ort ist, an dem man ausprobieren darf, ohne dass jemand gleich die Stirn runzelt, als hätte man die falsche Gabel benutzt.

Danach war Flusen dran.

Und er war richtig gut.

So gut, wie ich es zugelassen habe.

Weil ich dazu neige, aus schönen Momenten heimlich Prüfungen zu basteln.

Flusen nicht.

Er arbeitet, als würde er sagen: Ich kann das, aber du musst hier niemandem etwas beweisen.

Rückfahrt ohne Nachkauen

Auf der Rückfahrt war ich nicht leer.

Nicht zerkaut.

Nicht innerlich am Nachbearbeiten.

Ich war einfach ich.

Mit zwei Hunden.

Und diesem stillen Wissen, dass Resilienz manchmal ganz schlicht bedeutet, sich dorthin zu bewegen, wo man atmen kann.

Und von dem weg, was einen jedes Mal ein Stück kleiner macht.