Tag 81. Zielgruppe, Bitte melden. Das innere Team hat Fragen

Das Meeting. Heute ohne Agenda, aber mit Verdacht

Ich setze mich hin und merke sofort, dass es wieder so ein Thema wird

Wir sitzen wieder am Tisch.

Enjah quer, als wäre das hier ihr Format.

Flusen so halb anwesend, halb in einer inneren Hängematte.

Die Strategin hat ein Notizbuch dabei.

Die Skeptikerin hat den Blick von jemandem, der schon mal an Reichweitenzahlen zerbrochen ist.

Und die Perfektionistin tut so, als wäre sie nur zufällig hier, aber sie hat bereits die Überschrift korrigiert.

Enjah. Head of Publikumsliebe, Abteilung Selbstverständlichkeit

Ihre Hypothese ist simpel und natürlich beleidigend

Enjah glaubt, der Blog wird gelesen, weil sie vorkommt.

Nicht weil sie eitel ist.

Sondern weil es objektiv stimmt.

Sie ist überzeugt, die Menschen klicken wegen ihrer Schönheit, bleiben wegen ihres Talents und schreiben heimlich mit, wie man so unverschämt charmant durchs Leben kommt.

Sie denkt, die Zielgruppe besteht aus Leuten, die morgens aufwachen und als Erstes prüfen, ob Enjah heute schon wieder ein neues Berufsfeld eröffnet hat.

Und wenn jemand behauptet, er lese wegen der psychologischen Tiefe, würde Enjah freundlich lächeln und innerlich sagen: Klar. Und ich bin wegen der Steuern hier.

Dann wirft sie noch eine absurde Idee in den Raum.

Vielleicht lesen manche nur, um sich besser zu fühlen.

Weil sie selbst keinen Welpen haben, der ihr Leben in ein kreatives Chaoslabor verwandelt.

Enjah nennt das nicht Schadenfreude.

Enjah nennt das Community.

Flusen. Head of stille Gründe, Bereich Trost ohne Worte

Flusen glaubt, die Leute lesen, weil hier jemand atmet

Flusen ist überzeugt, dass die Zielgruppe gar nicht wegen der Hunde kommt.

Nicht wirklich.

Er glaubt, die Leute lesen, weil hier jemand versucht, ehrlich zu sein, ohne daraus eine Predigt zu machen.

Weil hier Sätze stehen dürfen, die nicht perfekt sind.

Weil man beim Lesen kurz das Gefühl hat, dass nicht alles eine Leistung sein muss.

Er denkt, manche kommen wegen der Ruhe zwischen den Zeilen.

So wie er manchmal einfach im Raum liegt und dadurch irgendwas im System weicher wird, ohne dass er auch nur ein Kommando ausführt.

Dann hebt er den Kopf und schaut uns an, als hätte er noch eine zweite, sehr praktische Hypothese.

Vielleicht lesen sie auch, weil sie selbst in einem inneren Meeting sitzen.

Und endlich mal jemand anderes die Protokolle ruiniert.

Das findet Flusen fair.

Er würde das vermutlich sogar als Service bezeichnen.

Ohne es Service zu nennen, weil Flusen niemals Marketing machen würde.

Die Strategin. Zielgruppe ist keine Romantik, Zielgruppe ist ein Plan

Sie will Segmentierung. Enjah will Applaus

Die Strategin sagt, es gibt bestimmt mehrere Zielgruppen.

Menschen, die Hunde haben und sich beim Lesen denken: Ah. Nicht nur bei mir ist es so.

Menschen, die führen und merken: Das ist ja erstaunlich nah an meinem Team.

Menschen, die einfach gern Geschichten lesen, in denen jemand sich selbst beobachtet, ohne gleich mit sich abzurechnen.

Sie will es aufschreiben.

Kategorien.

Motive.

Wiederkehrende Themen.

Sie sagt das Wort Positionierung und man merkt, wie die Luft kurz nach Powerpoint riecht.

Enjah gähnt demonstrativ.

Flusen blinzelt.

Die Strategin schreibt trotzdem weiter.

Die Skeptikerin. Vielleicht lesen sie nur, weil sie nicht wissen, was sie sonst tun sollen

Oder weil sie warten, dass ich endlich mal komplett ausraste

Die Skeptikerin sagt, vielleicht ist es viel banaler.

Vielleicht lesen Menschen, weil sie kurz fliehen wollen.

Weil man hier von außen in ein Leben gucken kann, das gleichzeitig Alltag und Theater ist.

Und weil sie hoffen, dass es irgendwann richtig eskaliert.

Nicht mit Drama.

Mit Wahrheit.

Sie wirft den Satz in den Raum, dass die Aufmerksamkeitsspanne heute ungefähr so lang ist wie ein Leckerli Wurf.

Und dass es fast ein kleines Wunder ist, wenn jemand überhaupt bis zum Ende liest.

Enjah findet das beleidigend.

Flusen findet das realistisch.

Ich finde es leider auch ein bisschen wahr.

Die Perfektionistin. Sie liest den Blog nicht. Sie optimiert ihn innerlich

Ihre Hypothese ist, dass alle nur wegen der Überschriften bleiben

Die Perfektionistin glaubt, die Leute bleiben wegen der Form.

Weil es luftig ist.

Weil es schnell geht.

Weil man sich nicht durch Textwände kämpfen muss wie durch ein schlecht moderiertes Meeting.

Sie glaubt, die Zielgruppe besteht aus Menschen, die keine Zeit haben, aber trotzdem gern kurz das Gefühl hätten, dass jemand anderes ihr Chaos sortiert.

Und sie sagt das mit einer Härte, als wäre das ein Vorwurf.

Dabei ist es eigentlich ein Kompliment.

Nur in Perfektionistin.

Und jetzt. Bitte einmal Rückmeldung, bevor wir wieder alles neu erfinden

Wir haben Hypothesen. Wir haben keine Daten

Und so sitzen wir da.

Mit Enjahs Selbstverständlichkeit.

Mit Flusens stiller Theorie.

Mit Strategin, Skeptikerin und Perfektionistin, die sich gegenseitig gleichzeitig überzeugen und entkräften.

Und wir merken: Wir können das alles wunderbar deuten.

Aber wir wissen es nicht.

Deshalb.

Wenn du diesen Blog liest, sag uns doch mal warum.

Wegen der Hunde.

Wegen der psychologischen Schlenker.

Wegen der Systemik zwischen den Zeilen.

Wegen der Selbstironie.

Oder weil du morgens Kaffee brauchst und irgendwas lesen willst, das nicht tut, als wäre das Leben ein Karriereplan.

Schreib uns gern über das Kontaktformular oder per Mail.

Das innere Team wäre sehr dankbar.

Es diskutiert sonst einfach weiter.

Und ich fürchte, Enjah würde am Ende die Zielgruppe als Fanclub eintragen.

Mit sich selbst als Logo.