Tag 74. Wenn Enjah ich wäre

Heute drehe ich das Gedankenexperiment um.

Gestern war ich der Hund.

Heute bin ich das Versuchskaninchen.

Enjah bekommt meinen Körper, meinen Kalender, meine Gedanken und dieses spezielle Talent, aus einem ganz normalen Dienstag eine innere Projektwoche zu machen.

Und ich sitze innerlich daneben wie jemand, der sein eigenes Leben verleiht und sofort nervös wird, weil er die Kaution vergessen hat.

Wenn Enjah Dagmar wäre

Sie würde mein Leben wie ein Open World Game spielen

Enjah würde morgens aufstehen und nicht fragen, ob der Tag sinnvoll ist.

Sie würde ihn einfach starten.

Mit Soundeffekt.

Mit Konfetti.

Mit diesem Blick, der sagt: Ich habe keine Angst vor der Welt, ich habe nur Hunger.

Sie würde meine To Do Liste ansehen wie einen netten Vorschlag von jemandem, der offensichtlich noch nie wirklich gelebt hat.

Dann würde sie sie ignorieren und stattdessen die Wohnung aufräumen, weil sie plötzlich eine Idee hat.

Nur dass ihr Aufräumen so aussieht, als würde ein Tornado sehr motiviert umstrukturieren.

Am Ende wäre alles anders.

Nicht besser.

Anders.

Und sie wäre überzeugt, dass genau das die Definition von Fortschritt ist.

Sie würde Grenzen testen wie ein Produkt, das kurz vor dem Launch steht

Enjah als ich würde mit Menschen sprechen, wie sie mit Türen umgeht.

Wenn sie zu sind, wird erst mal geprüft, ob das wirklich so gemeint ist.

Sie würde Dinge aussprechen, die ich dreimal im Kopf vorformuliere und dann doch nicht sage.

Sie würde Nachrichten schreiben, während ich noch überlege, ob ein Emoji zu viel ist.

Und sie würde dabei so fröhlich wirken, dass ich nicht mal wüsste, wann ich mich schämen soll.

Das wäre vermutlich ihr größtes Geschenk.

Und mein größter Kontrollverlust.

Sie würde mich entlasten und gleichzeitig komplett überfordern

Enjah würde meine innere Kritikerin nicht therapieren.

Sie würde sie einfach mitnehmen.

Wie einen kleinen nervigen Beifahrer, der zu viel redet.

Dann würde sie mit mir, also mit meinem Körper, in die Welt rausgehen und sich freuen, als wäre das Leben ein riesiger Hundepark.

Ich würde mich wundern, wie leicht sich Dinge anfühlen können, wenn man nicht ständig prüft, ob sie erlaubt sind.

Und ich würde gleichzeitig ahnen, dass Enjah mein Konto plündern würde.

Nicht finanziell.

Emotional.

Mit einem Dauerabo auf Begeisterung.