Tag 7 – Freitag: Zwischen Überdrehen, Überleben und einem Moment, der alles weich machte

Wenn ich an Donnerstag zurückdenke, spüre ich vor allem eins: Ich habe gelernt loszulassen.
Nicht nur Kontrolle, sondern auch dieses innere „Ich müsse das doch hinkriegen“.
Flusen zeigte so viele Stresssignale, dass mir klar wurde: Beide brauchen mehr Raum, körperlich und emotional.
Also haben wir getrennt, strukturiert, geatmet. Und es tat uns allen gut.

Enjah schlief tagsüber friedlich in ihrer Box an meinen Füßen, während ich arbeitete.
Ein kleines Wunder.
Zwischendurch ging ich mit Flusen spazieren, Enjah im Rucksack, wie ein neugieriger Koala mit eingebautem Turbolader.
Ein paar Minuten durfte sie draußen laufen:
Die große Welt. So viele Gerüche. So viel „Whooooaa“.
Und Flusen?
Hörte aufs Wort.
Der Fels im Fell-Format.

Abends war dann wieder „Crasy Enjah Time“.
Zurecht trägt sie diesen Doppelnamen.
Manchmal lässt sie sich ganz entspannt das Geschirr anziehen.
Manchmal verwandelt sie sich dabei in eine rotierende Kreissäge mit Füßen.
Reflexion ist nicht nur bei Menschen tagesformabhängig.

Freitag: Routine, Bindung, und ein Coaching, das auch mich wieder erdet

Am Freitag war vieles ähnlich.
Flusen und ich joggen.
Aus ehemals 35 Minuten wurden jetzt fast 50.
Ich glaube, er verlängert die Strecke bewusst, so als wollte er sagen:
„Du gehörst mir jetzt. 50 Minuten lang.“

Nachts schläft er inzwischen nur den Anfang im Bett, wandert dann raus und legt sich vor die Schlafzimmertür, als wolle er aufpassen, dass keiner rausgeht oder reinkommt. 
Enjah schläft weiterhin super in ihrer Box.
Ein kurzes Quengeln, und dann tief und fest bis vier Uhr.
Perfekt für meine Arbeitsroutine.
Perfekt für meine Nerven.

Nachmittags hatte ich ein Coaching.
Und ich fragte meine Klientin, die Tiere liebt, ob sie Lust auf ein tiergestütztes Setting habe.
Sie nickte sofort, sie kennt Flusen, war schon mit ihm auf einem Coachingspaziergang.
Und auch das Katerchen, das wir vor ein paar Monaten drei Wochen aufgepäppelt haben, hatte sie schon kennengelernt.

Ich weiß nicht, warum dieses Jahr so viele Tiere bei uns landen, die „zu schwierig“, „zu wild“ oder „zu viel“ sind.
Vielleicht ist es Schicksal.
Vielleicht ist es unsere Energie.
Vielleicht ist es einfach 2025.

Das Coaching lief wunderbar.
Diese Klientin ist ein Geschenk: hochreflektiert, intelligent, mit einem Selbsthumor, der Räume leichter macht.
Sie macht Entwicklung sichtbar, ohne Drama, ohne Umwege, einfach weil sie hinschaut.

Und dann, die Abendshow: Crasy Enjah in Bestform

Nach dem Coaching war Enjah völlig überdreht.
Nicht mehr runterzufahren.
Keine Schlafbereitschaft.
Kein „Ich leg mich mal hin“.
Eher so:
„Was machen wir jetzt? Und jetzt? Und JETZT?“

Flusen zog sich zurück aufs Sofa, sein sicherer Hafen.
Ich versuchte Ruhe reinzubringen, Grenzen zu setzen, ruhig zu sprechen.
Aber ich spürte, wie mein Wirksamkeitserleben langsam bröckelte.
Wie meine Haut dünner wurde.
Wie das Bellen, Beißen, Hochdrehen alles in mir spannte.

Ich weiß genau, wie wichtig Konsequenz jetzt ist.
Und gleichzeitig weiß ich:
Sie ist ein Welpe.
Ein Baby.
Ein fühlender kleiner Schwamm ohne Filter.

Ich rede ruhig mit ihr.
Stelle sie klar.
Lasse nicht locker.
Flusen bewegt sich durch das Haus wie in Slow Motion, als würde er sagen:
„Ich bin nicht Teil dieser Energie, ich bin ein Schatten.“

Und dann… geschieht es.

Der Moment, der alles zum Schweigen bringt

Plötzlich liegt Enjah unter dem Tisch.
Flusen auch.
Sie ist müde.
Ruhig.
Vorsichtig.

Und dann passiert dieser eine, zarte Moment, den ich nicht vergessen werde:

Sie nähert sich ihm sanft.
Kein Beißen.
Kein Rempeln.
Kein Anspruch.
Nur ein vorsichtiges, leises „Ich mag dich.“

Ein paar Sekunden.
Eine Minute vielleicht.
Ein kostbarer Moment von Nähe, den sie freiwillig schenkt.

Und ich sitze da.
Ganz still.
So gerührt, dass mir die Tränen kommen.
Weil alles andere für einen Augenblick verschwindet:
das Chaos, die Müdigkeit, die Unsicherheit, das Überdrehen.

Übrig bleibt nur dieser sanfte Zauber zwischen zwei Hunden, die gerade lernen, eine Familie zu werden.

Und dieser Moment war mein Wochenhighlight.
Eindeutig.
Unverhandelbar.
Unvergesslich.