Tag 48: Tausendmal berührt und nichts passiert
Liebe auf den achtundvierzigsten Blick
Der Tag hatte nichts Besonderes vor.
Er sah nicht so aus.
Er klang nicht so.
Zwischendurch ließ ich die beiden spielen.
Kurz.
Sehr kontrolliert kurz.
Flusen wie immer voller Energie,
sein Spiel eher ein Vorschlag mit Nachdruck.
Nach etwa einer Minute unterbrach ich.
Holte sie zu mir.
Luft holen.
Alle.
Dann wieder rein.
Drei Runden über den Tag verteilt.
Alles wie gehabt.
Mittags Spaziergang.
Enjah im Rucksack.
Flusen frei.
Unauffällig gut.
Und dann, am späten Nachmittag,
änderte sich etwas,
ohne dass jemand etwas tat.
Sie lagen.
Nicht zufällig.
Nicht nebeneinander aus Erschöpfung.
Sondern bewusst.
Flusen zuerst.
Langsam.
Er ließ sich sinken,
als würde er dem Boden vertrauen.
Enjah kam näher.
Nicht stürmisch.
Nicht fordernd.
Sondern tastend.
Ihre Mäuler berührten sich.
Ganz leicht.
Kein Zupacken.
Kein Druck.
Nur dieses zarte Knabbern,
fast wie ein leises Abtasten.
Wie Hände, die nicht greifen,
sondern fragen.
Flusen bewegte sich kaum.
Er ließ es zu.
Pfote an Pfote.
Maul am Ohr.
Ein langsames, vorsichtiges Spiel,
bei dem nichts passieren muss,
damit alles passiert.
Und dann
drehte er sich.
Ganz ruhig.
Ohne Eile.
Er legte sich auf den Rücken.
Der Bauch offen.
Weich.
Ungeschützt.
Ein Angebot,
das Hunde nicht machen,
wenn sie unsicher sind.
Ein Zeichen von Vertrauen,
so groß,
dass es still wird im Raum.
Enjah blieb ruhig.
Kein Überschlag.
Kein Hochdrehen.
Sie las das Tempo.
Sie verstand den Moment.
Kein Spieltrieb.
Keine Explosion.
Nur Nähe.
Ich stand da
und habe nichts gemacht.
Kein Einordnen.
Kein inneres Protokoll.
Kein
„Was bedeutet das jetzt“.
Ich habe einfach nur zugesehen.
Und dann kam dieses Gefühl.
Dieses leise, tiefe, klare Glück.
Nicht das springende.
Nicht das jubelnde.
Eher so,
als würde sich etwas im Inneren
ganz ruhig an seinen Platz setzen.
Ich konnte mein Glück nicht fassen.
Nach all dem Regulieren,
dem Unterbrechen,
dem inneren Rechnen
und diesen heimlichen Sorgen
lag es plötzlich da.
Zwischen zwei Hunden.
Auf dem Boden.
Ganz unspektakulär.
Glück kündigt sich nicht an.
Es stellt keinen Antrag.
Es legt sich einfach hin.
Zeigt seinen Bauch.
Und hofft,
dass man hinschaut.
Ich weiß,
dass ich diesen Moment nicht festhalten kann.
Aber ich habe ihn gesehen.
Ich habe ihn bewusst wahrgenommen.
Und durfte ihn erleben.
Glück.