Tag 4 – Dienstag: Reflexion zwischen Fell, Klinik und Kontroll-Illusionen

Es gibt Tage, an denen Reflexion nicht wie eine bewusste Praxis wirkt, sondern wie etwas, das sich ungefragt mitten in den Weg stellt und sagt: „So. Und jetzt schauen wir uns das mal an.“

Heute war so ein Tag.

Ich bin mit einer leichten Entspannung aufgewacht – dieses Gefühl von: „Ich hab’s langsam raus.“
Witzig, oder?
Dass man so etwas denkt, obwohl man Welpen im Haus hat.
Das Leben war kurz still… vermutlich, um sich nicht vor Lachen zu verschlucken.

Der Vormittag lief ruhig, verdächtig ruhig, und dann begann der Teil des Tages, der mir mal wieder klar gemacht hat, warum Reflexion für mich so essenziell ist.
Und warum sie für andere… sagen wir… ein eher seltenes Hobby bleibt.

Einsatz in der Klinik – Flusen, der Profi

Heute hatte ich einen Einsatz in einer Klinik: Supervision mit 21 Personen.
Flusen war dabei – mein ausgebildeter Therapiehund, mein Ruhepol, mein emotionaler Support-Professor.

Die Gruppe?
Extrem jung.
Reflexionsresistent.
Themenverweigerer.
Bedien-mich-Mentalität deluxe.

Supervision lebt von Themen.
Von Reflexion.
Von Selbsterkenntnis.
Und diese Gruppe?
Naja… sagen wir so: Wenn Reflexion ein Fitnessstudio wäre, dann stehen sie draußen vor der Tür und sagen:
„Ich guck einfach nur zu.“

Also habe ich 8 völlig überzogene, dramatische, herrlich überspitzte Fälle konstruiert.
Triaden, Reflexionsfragen, der volle pädagogische Werkzeugkasten.

Und siehe da:
Sie erzählten ein bisschen.
Ein bisschen.
Aber ich merkte wieder:
Reflexion ist eine Kompetenz.
Und manche Menschen erwerben sie erst spät.
Und manche… naja. Vielleicht im nächsten Leben.

Zum Glück war Flusen da.
Sanft, souverän, leicht durchs Zimmer schwebend.
Mal schlafend, mal spielend, immer genau im richtigen Moment bei mir.
Er war der Star der Stunde – wie immer.

Kurzer Zwischenstopp bei meinen Eltern

Danach war ich kurz bei meinen Eltern.
Sie lieben Flusen.
Und Flusen liebt Leberwurstbrote.
Und wenn alte Menschen glücklich sind, weil sie einem Hund eine Scheibe Leberwurst reichen dürfen – dann hat das Leben kurz diesen warmen, weichen Moment.

Ich finde es nicht toll für seine Ernährung.
Aber weißt du was?
Ich finde es toll für ihre Herzen.

Zuhause: Der Empfang des Systemsprengerchens

Zurück zuhause begrüßte mich Enjah wie eine Mischung aus:

  • „Ich hab dich vermisst!“
  • „Hast du noch Leberwurstbrot?“
  • „Ich bin total lieb gewesen. Also innerlich. Vielleicht.“

Sie war ein bisschen demütig.
Ein klitzekleines bisschen.
Und gleichzeitig komplett überdreht.

Aber!
Erfolgsmeldung des Tages:
Sie hat sage und schreibe 10 Minuten alleine mit einem Spielzeug gespielt, ohne Flusen zu provozieren.
Ich dachte kurz, sie hätte Fieber.

Dann… zurück zur Normalität:
Beim Vorbeilaufen im Garten hängt sie Flusen direkt mal im Bein.
Er nimmt es kommentarlos hin.
Aber als wir wieder reingehen, springt sie ihn an, und da war die Geduld des großen Bruders vorbei.
Er knurrt und gibt einen kleinen Luftschnapper.

Und zum ersten Mal habe ich nicht die Nerven verloren.
Ich war ruhig.
Klar.
Ich habe beobachtet.
Und ja, ich werde sicherer.

Nicht weil es plötzlich einfach ist, sondern weil ich langsam verstehe:

Kontrolle ist eine Illusion, Präsenz ist die Antwort.

Der Tag hat mich an etwas Wichtiges erinnert:
Wie schnell wir urteilen.
Über Hunde.
Über uns selbst.
Über Situationen, von denen wir eigentlich keine Ahnung haben.

Urteile sind wie automatische Reaktionen in unserem Kopf.
Kontrolle ist der Versuch, Chaos zu verhindern.
Und beides hat heute wieder einmal gezeigt:

Wenn ich loslasse, funktioniert es besser.
Wenn ich anspanne, eskaliert es schneller.

Drei Wochen Weihnachtsurlaub stehen bald vor der Tür.
Hunde.
Studium.
Weihnachten.
Drei Wochen ohne Termine, nur Leben.

Ich freu mich drauf.
Vielleicht werden wir alle drei in dieser Zeit ein bisschen ruhiger.
Vielleicht auch nicht.
Wir werden sehen.

Teaser: Bald startet mein „Urteile-Adventskalender“

Weil mich diese Tage mit Enjah wieder so tief in das Thema Urteile, Kontrolle & Selbsterkenntnis schubsen, starte ich im Advent einen besonderen Kalender:

24 Tage
24 Impulse
24 Reflexionsfragen rund um Urteile
… und all die Themen, die damit verknüpft sind (Kontrolle, Erwartungen, Grenzen, Vertrauen, Selbstwert).