Tag 33 Weihnachten, Rettungsstrategien und diese seltsame Art, Nähe zu terminieren

Weihnachten ist kein normaler Tag.
Nicht, weil alles so friedlich ist.
Sondern weil alles gleichzeitig passiert.

Nähe.
Erinnerungen.
Erwartungen.
Bedeutung.

Und genau deshalb ist Weihnachten ein Fest der Rettungsstrategien.

Strategien, die uns helfen sollen, etwas zu bewahren
die Stimmung
die Harmonie
das Gefühl von Zusammenhalt
manchmal auch uns selbst.

Psychologisch gesprochen sind es Schutzstrategien.
Muster, die sich gebildet haben, um Bindung zu sichern
Konflikte zu vermeiden
oder Nähe überhaupt erst möglich zu machen.

An Weihnachten rutschen diese Schutzstrategien oft in den Rettungsmodus.
Nicht aus Schwäche.
Sondern weil so viel auf dem Spiel steht.

Wenn das Nervensystem Weihnachten hört

Weihnachten aktiviert unser Bindungssystem.
Und Bindung ist nichts Rationales.
Bindung ist alt.
Tief.
Und sehr gut darin, automatische Programme zu starten.

Plötzlich tauchen sie auf:

Die, die alles perfekt machen müssen.
Die, die für Harmonie sorgen.
Die, die sich zurückziehen.
Die, die ironisch werden.
Die, die kontrollieren.
Die, die funktionieren.

Nicht, weil sie schwierig sind.
Sondern weil diese Strategien einmal sinnvoll waren.

Sie haben uns geschützt.
Vor Liebesentzug.
Vor Konflikt.
Vor Ablehnung.

Und Weihnachten drückt genau auf diese Knöpfe.

Warum wir uns ausgerechnet an Weihnachten sagen, wie wertvoll wir uns finden

Es ist schon bemerkenswert:
An Weihnachten sagen wir Dinge wie
„Du bist mir wichtig.“
„Schön, dass es dich gibt.“
„Danke für alles.“

Warum eigentlich nur dann?

Psychologisch betrachtet ist das gar nicht rätselhaft.
Weihnachten liefert den sozial erlaubten Rahmen für Nähe.

Verletzlichkeit ist plötzlich legitim.
Wärme ist vorgesehen.
Emotionen sind eingeplant.

Im Alltag wirkt das schnell zu viel.
Zu pathetisch.
Zu nah.

Also terminieren wir Nähe.
Ritualisieren sie.
Packen sie in Feiertage.

Was sagt das über uns?

Und was würde passieren,
wenn wir Wertschätzung weniger an Kalenderdaten binden würden?

Flusen und Enjah würden das alles nicht verstehen

Beide warten nicht auf Weihnachten, um Nähe zu zeigen.
Sie freuen sich, wenn ich den Raum betrete,
als wäre ich Wochen weg gewesen.
Jeden Tag.

Sie zeigen, was sie fühlen, wenn sie es fühlen.
Ohne Anlass.
Ohne Ritual.
Ohne Dramaturgie.

Hunde brauchen keine Feiertage, um Verbindung zu leben.
Sie leben sie im Moment.

Ein Spiegel,
den sie mir jeden Tag vorhalten.

Und wir mittendrin

Ich beobachte mich heute sehr genau.
Welche Schutzstrategie meldet sich bei mir?

Will ich alles schön machen?
Will ich Erwartungen erfüllen?
Will ich Harmonie sichern?

Ein Tag,
an dem wir unsere Muster besonders gut sehen können.