Tag 30 Vier Wochen Enjah. Und dieses leise große Glück
Heute ist ein ganz normaler Sonntag.
Und gleichzeitig ist es ein besonderer.
Enjah ist nun seit vier Wochen bei uns.
Fast vier Monate alt.
In ihrer 15. Lebenswoche.
Und schon jetzt so unfassbar präsent in allem, was wir tun.
Der Tag beginnt mit Besuch.
Und beide rasten vor Freude aus.
Also wirklich beide.
Als hätte jemand den Glücksregler auf Maximum gedreht.
Wir üben Klingeltraining.
Ein ehrgeiziger Plan, zugegeben.
Die Idee ist simpel:
Es klingelt.
Alle auf die Decke.
Keks.
Mit Flusen klappt das gut.
Mit Enjah klappt es begeistert.
Begeisterung ist allerdings kein Ersatz für Ruhe, aber wir arbeiten daran.
Das ist jetzt unser Projekt für die nächsten zwei Wochen.
Mehrmals täglich.
Kurz.
Konsequent.
Und mit der leisen Hoffnung, dass sich gewisse Themen irgendwann erledigen.
Kleine Schritte. Große Freude.
Auf dem Mini-Agility-Feld probiere ich mit Enjah erste Dinge aus.
Slalom.
Durch einen Bogen.
Um eine Stange.
Sie ist unfassbar schnell.
Wach.
Und lernt in einem Tempo, das mich gleichzeitig begeistert und leicht überfordert.
Wir haben uns entschieden, ihr andere Begriffe beizubringen als Flusen.
Damit wir sie besser unterscheiden und führen können.
Ihre neuen Wörter heißen:
sit, break, down, up, close, off, on.
Natürlich kann sie sie schon.
Der Abruf bleibt gleich.
Zacki.
Das ist der heilige Gral.
Egal wo, egal wann.
Wenn Zacki kommt, kommen alle.
Und nein. Ich bereue nichts. Keine Sekunde.
Gestern habe ich noch geschrieben, wie anstrengend alles ist.
Wie wenig Raum für einen selbst bleibt.
Wie sehr sich alles verändert.
Und heute kann ich sagen:
Ich bereue es keine Sekunde.
Was Enjah so besonders macht, ist ihr Humor.
Ich habe noch nie einen Hund erlebt, der so witzig ist.
Nicht absichtlich.
Einfach durch ihr Sein.
Flusen gegenüber wird sie vorsichtiger.
Nicht immer.
Aber spürbar.
Und ja, manchmal holt sie sich noch eine ab.
Das gehört wohl dazu.
Ich habe eine Liste für das Bootcamp am 13. Januar geschrieben.
Priorität eins:
Das Zusammenspiel der beiden.
Und Hundebegegnungen im Dorf.
Ein bisschen Sorge macht mir das kommende Jahr.
Die ersten Monate.
Das Thema Alleinsein.
Organisation.
Abstimmung.
Ich weiß noch nicht genau, wie wir das alles lösen werden.
Aber ich weiß:
Wir werden es lösen.
Genießen. Immer wieder genießen.
Ich denke oft:
Genießen.
Jeden Moment genießen.
Die Wahrscheinlichkeit, noch einmal einen Welpen beim Großwerden begleiten zu dürfen, ist gering.
Das ist ein Geschenk.
Ein echtes.
Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, bereue ich eigentlich nur eines:
Dass ich so spät einen Hund hatte.
Es ging nicht früher.
Die Umstände ließen es nicht zu.
Und trotzdem bedauere ich jeden Moment ohne Hund.
Ja, das Leben wird enger.
Unfreier.
Anders.
Und gleichzeitig gibt es nichts Schöneres als diese kleinen wundervollen Raubtiere um sich zu haben.
Ein leiser Traum zum vierten Advent
Manchmal denke ich darüber nach, was ich tun würde, wenn Geld keine Rolle spielen würde.
Ich sehe meine Eltern mit Flusen.
Wie glücklich sie sind, wenn sie ihm Kekse geben dürfen.
Wie sehr sie es lieben, wenn er sich freut.
Wie sie sogar sein Betteln feiern.
Flusen kann das.
Als Therapiehund spürt er, was geht.
Bei meiner Mutter ist er sanft.
Bei meinem Vater wild.
Beides passt.
Und dann denke ich:
Ich würde ein ganzes Rudel Aussies ausbilden.
Therapiehunde.
Und ich würde mit ihnen in Altenheime gehen.
Dorthin, wo Zeit oft fehlt.
Wo Berührung selten geworden ist.
Wo Nähe kostbar ist.
Ich würde diese kleinen Wunder ihre Liebe verteilen lassen.
Für ein paar Minuten Glück.