Tag 20 Von Chaos im Garten, Geschwisterdramen und einem Moment echter Demut

Wenn man jemals wissen wollte, wie sich „erster Tag Welpenchaos“ in Woche drei anfühlt:
Enjah hat gestern die Antwort geliefert.
Sie war wieder komplett im Modus
„Ich bin ein Tornado im Miniformat und ihr seid alle Statisten in meinem Film“.

Sie biss in alles, was sich bewegte.
In manches, was sich nicht bewegte.
Und einmal in mein Gesicht.
Zum Glück nicht fest, eher so:
„Ups, du warst da, wo eigentlich mein Zähnchen hinwollte.“

Und trotzdem:
Zwischen ihr und Flusen war die Kommunikation erstaunlich normal.
So normal, dass wir dachten:
Heute ist der Tag. Heute lassen wir sie das erste Mal gemeinsam im Garten laufen.

Manchmal sollte man bei solchen Sätzen einfach kurz innehalten und einen Tee trinken.

Der Gartenversuch: Drei Runden im emotionalen Freizeitpark

Runde 1:
Enjah erkundet.
Flusen beobachtet sie wie ein Pensionär, der den Enkel auf dem Spielplatz betrachtet:
„Ganz nett… aber anstrengend.“

Und dann drückt jemand auf den Turbo Knopf.
Enjah fetzt los.
Mit Ganzkörper Einladung.
Eine Art „Fang mich doch, ich bin schneller als deine Nerven.“

Sie schießt an Flusen vorbei, schnappt einmal in seine Seite, spielerisch, aber deutlich.
Flusen dreht sich um, und seine Pupillen sagen:
„Madame, wir hatten keine Spielverabredung.“

Er jagt hinterher, sauer, knurrend, kurz davor zur pädagogischen Maßnahme überzugehen.
Wir brechen ab.

Runde 2 und 3:
Gleiche Dramaturgie, nur mit mehr Lautstärke und weniger Geduld.

Danach:
Alle rein.
Atmen.
Neu sortieren.
Uns selbst inklusive.

Eine Nachricht, die alles verändert

Wir schreiben unserer Trainerin, die Flusen gut kennt und Enjah inzwischen auch.
Wir schicken Videos.
Wir schicken Fragen.
Wir schicken ein paar verzweifelte Emojis hinterher.

Ihre Antwort:
„Das kann bis zu einem Jahr dauern. Es wird besser, aber es dauert. Wirklich lange.“

Und ich?
Ich war… erleichtert.

Weil „lange“ nicht „falsch“ bedeutet.
Weil „dauert“ nicht „scheitert“ heißt.
Weil Zeit plötzlich wieder ein Raum wird, kein Urteil.

Und weil mein Vater beim Anschauen des Videos sagte:
„Ja, also… Geschwister halt.“

Ich musste laut lachen.
Diese Mischung aus humorvoller Wahrheit und väterlicher Gelassenheit hat mir gut getan.

Ein Zeichen der Überforderung

Wie überdreht Enjah wirklich war, zeigte sich dann ganz klar:
Sie erbrach ihr Abendessen.

Ein Detail, das ich von Flusen gut kenne 
sein SOS Signal, sein „Das war zu viel für heute“.

Also ab ins Bett.
Sie schlief sofort ein.
Einfach aus.
Wie jemand, der den ganzen Tag gegen die Welt angefaucht hat und jetzt mal Pause braucht.

Und dann kam noch etwas anderes

Ich erfuhr gestern vom Tod eines Mentors,
der mich vor über fünf Jahren begleitet hat.
Jung.
Viel zu jung.
Gerade einmal 44.

Wir hatten keinen Kontakt mehr,
aber die Nachricht traf mich tiefer als erwartet.

Er war einer dieser Menschen, die einem zeigen, wie lebendig man sein kann.
Wie viel Wärme ein Raum haben kann,
wenn jemand ihn betritt, der das Leben liebt.

Und plötzlich war alles still.
Enjah schlief.
Flusen atmete.
Ich saß da.

Und fühlte nicht Erschöpfung.
Sondern Dankbarkeit.
Und eine große Demut.

Dafür, dass ich dieses Chaos erleben darf.
Dafür, dass ich Flusen und Enjah begleiten darf.
Dafür, dass ich Zeugin dieser Entwicklungen bin,
dieser kleinsten Fortschritte,
dieser größten Herausforderungen.