Tag 17 Erwartungen, der stille Endgegner meines Rudels… und meiner eigenen Gelassenheit
Heute ging es wieder in die andere Richtung.
Gestern noch der zweite Advent mit Enjah auf Wolke sieben,
und heute wieder: willkommen zurück im echten Leben.
Enjah hat mich schon morgens daran erinnert, dass sie trotz aller Fortschritte noch immer Crazy Enjah ist.
Einmal fest in den Arm gebissen freundlich, aber bestimmt.
Danach den gesamten Tag im Modus
„Heute bin ich anti. Ihr seid alle doof. Ich will, was ich will, und zwar jetzt.“
Und da stand ich wieder da, zwischen Frust, Müdigkeit und dem Gedanken:
Warum kann es nicht einfach mal konstant gut laufen?
(Und einen Atemzug später:
Ah. Da sind sie wieder.
Die Erwartungen.)
Der Spaziergang mit Flusen oder wie ein unsichtbares Blatt zum Endgegner wird
Auf unserem Spaziergang habe ich Flusen beobachtet.
An einer ganz bestimmten Stelle seines Lebens.
Eine Stelle, an der schon oft Begegnungen stattgefunden haben:
manchmal freundliche Menschen,
manchmal fremde Hunde,
manchmal Feinde seiner Seele.
Sobald wir diese Straße überqueren,
schaltet sein Gehirn von „entspannt“ auf
„Der Feind könnte überall sein“.
Obwohl NICHTS da ist.
Kein Hund.
Kein Mensch.
Kein Geräusch.
Nur der Weg.
Der Moment.
Der Wind.
Und Flusens Erwartung:
„Hier kommt gleich was. Da MUSS was kommen.“
Es reicht dann ein Blatt, das vom Baum fällt.
Ein Blatt.
Und Flusen pöbelt das Blatt an wie einen ungebetenen Gast auf seiner eigenen Geburtstagsfeier.
„Habe ich erlaubt, dass du hier fällst? Wohl kaum!“
Und da habe ich es verstanden.
Erwartungen sind der Feind der Achtsamkeit
Der Fokus von Flusen war nicht auf dem Moment.
Nicht auf dem Jetzt.
Nicht auf dem, was WIRKLICH da war.
Sein Fokus war auf dem, was sein KÖNNTE.
Auf etwas, das oft passiert ist.
Auf etwas, das gleich wieder passieren müsste.
Und als es nicht passierte, reagierte er trotzdem.
Und ich?
Ich mache es keinen Deut besser.
Wie oft gehe ich in Gespräche, in Situationen, in Tage mit einer Erwartung.
Wie oft basiere ich meine Stimmung auf einer Idee, die noch gar nicht stattgefunden hat.
Wie oft bin ich enttäuscht, nicht weil etwas schlecht war,
sondern weil es anders war als meine innere Fantasie.
Und dann schaue ich auf heute zurück
Ich hatte erwartet,
dass Enjah noch einmal die Musterschülerin vom Sonntag sein würde.
Dass wir diesen Weg ab jetzt linear weitergehen.
Dass sie brav wäre, ruhig, konzentriert, perfektionistisch an meiner Seite.
Aber was mache ich da?
Ich nehme ihr ihre Persönlichkeit.
Ihre Spontanität.
Ihr Welpenchaos.
Ihr authentisches Sein.
Ich sehe nicht das, was IST,
sondern das, was ich ERWARTE.
Und natürlich wird der Tag dann schwer.
Nicht weil sie anstrengend ist,
sondern weil meine Erwartung anstrengend ist.