Tag 16 Zweiter Advent mit Wunderkerzen im Herzen

Der zweite Advent hat sich heute nicht nach Plätzchenduft und Kerzenschein angefühlt,
sondern nach etwas viel Größerem:
nach einem kleinen Wunder in Fellform.

Denn heute hat sich Enjah von ihrer besten Seite gezeigt.
Und ich meine nicht von ihrer „Ich beiße weniger“ Seite.
Ich meine von der Seite, bei der man denkt:
Vielleicht wird aus diesem kleinen Chaoswesen irgendwann ein echter Engel.
Ein sehr wilder Engel.
Aber ein Engel.

Der Morgen: Als hätte jemand heimlich ihre Batterie auf „Sanft“ gestellt

Sie war ruhig.
Ruhig.
Ich habe mehrfach nachgeschaut, ob sie wirklich wach war.

Wir sind raus gegangen, völlig problemlos.
Ein bisschen spielen.
Ein bisschen Training.
Ein bisschen Boxenruhe.
Alles wie aus einem Lehrbuch, das es bei uns eigentlich gar nicht gibt.

Und dann kam er.
Der magische Moment.

Der erste Rudelspaziergang zu viert

Wir haben es gewagt.
Flusen.
Enjah.
Wir zwei.
Eine kleine Expedition in die Welt.

Enjah zu 90 Prozent im Rucksack, denn wir sind viel zu weit gegangen.
Aber diese 10 Prozent…
diese 10 Prozent waren gold.

Kurze Fußübungen, jeweils 30 Sekunden.
Sie ging neben mir wie ein Profi.
Dann lief sie wieder frei wie eine kleine Waldelfe auf Koffein.
Dann wieder Fuß.
Dann wieder Elfe.

Flusen?
Der alte Musterschüler.
Er lief Fuß mit sicherem Abstand, als wäre er der Beobachter eines Kunstprojektes:
„Wie erzieht man einen Flummi“

Zu Hause ist Enjah dann einfach umgefallen.
Ihr Kopf wollte wach bleiben.
Ihre Augen nicht.
Ihr Körper auch nicht.
Sie war müde bis in die Seele.

Nachmittags: Training, das uns alle sprachlos macht

Impulskontrolle.
Deckentraining.
Und Enjah?
Sie war brillant.

Ich wusste, dass sie clever ist.
Aber gegen sie wirkt Flusen wirklich wie eine Schlafmohnblüte.
Und dabei war er schon immer unfassbar intelligent.

Aber sie…
sie ist ein anderes Level.

Wir haben schon überlegt, welche Aufgabe dieser Intelligenz gerecht werden könnte.
Agility allein wird nicht reichen.
Therapiehund auch nicht.

Aber Dogdancing?
Eigene Choreografien, Tricks, Rhythmus, Bewegung, Präzision.
Oh ja.
Ich sehe uns beide schon tanzen.
Vielleicht noch nicht heute.
Vielleicht noch nicht morgen.
Aber bald.

Und Tricks lernt sie wie im Schlaf.
Das Stopp Kommando hat sie in drei Wiederholungen verstanden.
Drei.
Und jetzt setzt sie es überall um.
Selbst beim Abtrocknen, wenn das Handtuch plötzlich zum Feind erklärt wird.

Der Moment, der mir das Blut kurz gefrieren ließ

Abends im Garten.
Ein schöner, verwunschener, viel zu großer Garten.
Ich hatte ihr das Geschirr ausgezogen.
Ich ging kurz rein, um etwas zu holen.

Und ehe ich mich versah
stand sie draußen.
Ohne Leine.
Einen Meter entfernt.
Schauend.
Wartend.

Ich sagte ab rein
und ging ein paar Schritte zurück Richtung Tür,
sodass der Raum zwischen uns größer wurde.

Sie dachte kurz nach.
Und dann kam sie rein.

Ich habe das erst mal mit einem stillen inneren Feuerwerk gefeiert.

Und am Ende dieses Tages

Am Abend war sie müde.
Richtig müde.
Sie legte sich hin, fand Ruhe, schlief schnell ein.

Und ich saß da und dachte:

Es sind solche Tage,
die uns Hoffnung geben.
Die uns Kraft schenken.
Die uns daran erinnern,
warum wir diesen Weg gehen.

Es war der zweite Advent.
Ein Tag, an dem ausgerechnet die Kleinste in unserem Rudel
uns die größte Freude gemacht hat.

Crazy Enjah
unser Flummi
unser Genie
unsere Herausforderung
unser Herz.

Und vielleicht, ganz vielleicht,
auch einmal unser kleiner Tanzstar.