Tag 150 oder: Wenn Enjah ihren perfekten Tag plant, endet das Dorf vermutlich im Ausnahmezustand
4 Uhr ist eine völlig vernünftige Uhrzeit für eine Kissenschlacht
Mein perfekter Tag beginnt selbstverständlich um 4 Uhr.
Nicht still.
Nicht sanft.
Nicht mit diesem langweiligen Menschenquatsch von langsam wach werden.
Nein.
Mit einer ordentlichen Kissenschlacht im Bett.
Aber in Hund.
Das heißt: springen, rempeln, über Gesichter laufen, an Decken zerren und so lange aufdrehen, bis wirklich alle verstanden haben, dass Schlaf ein überbewertetes Konzept ist.
Flusen macht natürlich mit.
Also er würde vielleicht erst so tun, als sei ihm das alles zu wild, aber tief in seinem kleinen Fellherzen weiß er genau: Das ist Eventkultur.
4:30 Uhr, Garten, Pöbelprogramm
Danach sofort alle zusammen in den Garten.
Es ist noch dunkel, klar, aber genau das macht es ja so schön aufregend.
Und dann wird nicht einfach nur ein bisschen geguckt.
Dann wird gepöbelt.
Richtig.
Mindestens fünf Runden am Zaun entlang, hin und zurück, gemeinsam mit Flusen, Seite an Seite wie ein sehr lautes kleines Einsatzkommando.
Wir bellen links.
Wir bellen rechts.
Wir bellen vorsorglich auch in die Mitte, falls dort etwas lauert, das wir noch nicht kennen.
Die zwei Menschen stehen einfach da, trinken ihren Kaffee und bewundern uns.
Was sollen sie auch sonst tun, wenn zwei so begabte Hunde Hochkultur aufführen.
Dass dabei die Nachbarn wach werden, vermutlich auch das halbe Dorf, ist kein Nachteil.
Es ist Reichweite.
Frühstück bitte endlich mit Niveau
Danach Frühstück.
Aber nicht wieder dieses ewige Hundefutter.
An meinem perfekten Tag gibt es Menschenessen.
Wurst.
Käse.
Brot.
Käse auf Brot.
Wurst auf Käse.
Am besten alles gemischt, ich bin da kulinarisch offen.
Und ich möchte endlich Pizza probieren.
Die riecht seit Monaten wie eine persönliche Einladung des Himmels, und ich finde, es ist langsam Zeit, dass man mich nicht weiter von dieser Erfahrung fernhält.
Warum nicht Pizza zum Frühstück.
Perfekte Tage brauchen mutige Entscheidungen.
Ausflug ja, Ruhe nein
Danach machen wir einen Ausflug.
Aber nicht so halbherzig.
Nicht dieses kurze bisschen laufen und dann wieder heim, damit alle sich ausruhen und irgendetwas von Tagesstruktur murmeln.
Nein.
Den ganzen Tag.
Alle zusammen.
Irgendwohin, wo wir frei laufen dürfen, jagen dürfen, entdecken dürfen.
Ich möchte Schmetterlinge jagen.
Besonders die weißen.
Die sind toll.
Wir spielen ja nur.
Hummeln finde ich auch weiterhin großartig, und ich sehe ehrlich gesagt noch immer nicht vollständig ein, warum ich keine Bienen essen darf.
Ja, sie picksen manchmal ein bisschen.
Aber man kann doch nicht immer nur auf die Risiken schauen.
Snacks sind ein Menschenrecht. Auch für Hunde
Wir laufen also den ganzen Tag und machen viele Pausen.
Aber bitte nicht diese traurigen Pausen, in denen alle nur Wasser trinken und vernünftig gucken.
Nein.
Pausen mit Snacks.
Viele Snacks.
Schöne Snacks.
Abwechslungsreiche Snacks.
Ich finde, ein guter Ausflug sollte ungefähr so aufgebaut sein wie ein kleines Buffet mit Landschaft.
Endlich richtig nah an Flusen
Zu Hause gibt es dann wieder Menschenessen, und danach kommt ein besonders wichtiger Teil meines perfekten Tages:
Ich darf mich ganz nah an Flusen rankuscheln.
Nicht dieses halb geduldete Nebeneinander mit diplomatischem Sicherheitsabstand.
Nein.
Richtig nah.
So, dass klar ist: Wir sind eins. Also zumindest ich mit ihm.
Und er lässt es einfach zu.
Ohne Blick.
Ohne Seufzer.
Ohne diesen Ausdruck von „Das war so nicht mit der Hausverwaltung abgesprochen“.
Einfach Liebe in Fellform.
Oder wenigstens eine Version davon, die nicht sofort mit Knurren endet.
Toben bis das System aufgibt
Danach wird wieder getobt.
Und diesmal bitte ohne dauerndes Stopp.
Ich verstehe ohnehin nicht, warum Menschen so gerne genau dann regulierend eingreifen, wenn es gerade erst richtig schön wird.
An meinem perfekten Tag gilt:
Wir hören auf, wenn wir selbst finden, dass es reicht.
Also vermutlich nie.
Schlafen im Garten wie ein kleines Rudelgeheimnis
Und dann schlafen wir alle draußen im Garten.
Zusammen.
Unter diesem einen Busch, unter dem es besonders gut ist.
Ganz eng.
Ganz nah.
So, dass keiner verloren geht und jeder weiß, wo die anderen sind.
Und zwischendurch muss natürlich immer mal wieder ein bisschen gepöbelt werden.
Es ist schließlich nachts.
Unheimlich.
Man muss wachsam bleiben.
Im Grunde bin ich sehr bescheiden
Wenn ich es mir recht überlege, ist mein perfekter Tag also gar nicht schwer umzusetzen.
Ein bisschen Bettchaos.
Ein bisschen Zaunarbeit.
Etwas Dorfbeschallung.
Pizza zum Frühstück.
Schmetterlingsjagd.
Bienenverkostung mit geringem Restrisiko.
Viel Nähe, viel Bewegung, viel Rudel, viel draußen.
Ich finde ehrlich gesagt, ich bin erstaunlich genügsam.
Die Menschen müssten nur endlich aufhören, alles immer gleich in Kategorien wie zu früh, zu laut, zu wild und bitte lass die Biene in Ruhe einzuteilen.
Dann könnten wir hier sehr problemlos gemeinsam glücklich werden.