Tag 149 oder: Flusen entwirft seinen perfekten Tag und ich komme erwartbar schlecht dabei weg

4:30 Uhr ist eine völlig normale Uhrzeit für Zärtlichkeit

Mein perfekter Tag beginnt selbstverständlich um 4:30 Uhr.

Nicht hektisch.

Nicht unangenehm.

Eher in dieser sanften Form von Dringlichkeit, die gute Hunde auszeichnet, wenn sie finden, dass jetzt der richtige Moment für eine Ganzkörpermassage ist.

Ich lasse euch dann auch großzügig noch ein bisschen liegen.

Ich bin ja kein Unmensch.

Aber wenn ich schon wach bin, könnt ihr wenigstens sinnvoll mit euren Händen umgehen.

Morgens bitte keine sportlichen Übergriffe

Dieses ganze Morgens-laufen-Ding muss übrigens wirklich nicht sein.

Ich weiß nicht, wer auf die Idee kam, dass man direkt nach dem Aufwachen ambitioniert durch die Gegend traben sollte wie ein übermotivierter Laufcoach mit Fell.

Nein.

Viel schöner ist es, wenn wir zu viert losgehen.

Gemütlich.

Eine halbe Stunde reicht völlig.

Und wenn wir ehrlich sind, könnte Enjah auch einfach zu Hause bleiben.

Nicht für immer.

Ich bin kein Monster.

Aber für diesen einen Spaziergang fände ich es schon angenehm, euch beide einmal exklusiv für mich zu haben, ohne dass neben mir ein junges Chaosbündel mit eingebautem Bewegungsdrang die ganze Zeit so tut, als sei jeder Grashalm ein Event.

Frühstück ist keine Mahlzeit, sondern eine Haltung

Danach hätte ich gern Frühstück.

Und zwar richtig.

Mindestens dreifache Portion.

Ich finde, wer nachts so viel Verantwortung trägt wie ich, darf morgens auch energetisch entsprechend versorgt werden.

Außerdem nehme ich natürlich gern noch etwas von eurem Frühstück.

Ein Hund muss schließlich flexibel bleiben.

Vormittagsruhe mit klarer Personalregelung

Danach würde ich gern dösen.

In Ruhe.

Das heißt leider auch: Die Kleine bitte wegsperren.

Ich sage das nicht aus Bosheit.

Ich sage das als erschöpfter älterer Herr mit Würde.

Enjah ist einfach furchtbar anstrengend.

Sie ist kein Hund, sie ist eine flauschige Betriebsstörung mit Augen.

Ich möchte dösen wie ein Mann von Welt.

Nicht wie ein Veteran in permanentem Alarmzustand.

Nachmittags darf es dann wieder etwas Flusen geben

Spielen ist nachmittags in Ordnung.

Ein bisschen toben ebenfalls.

Ich bin ja kein Spielverderber.

Aber man muss auch wissen, wann ein guter Zeitpunkt vorbei ist.

Diese Jugend von heute kennt da leider gar nichts.

Danach hätte ich gern einen richtigen Ausflug.

Eine lange Runde.

Am liebsten im Wald.

Dort ist das Publikum besser.

Rehe, Wildschweine, diverse Gerüche mit biografischem Tiefgang.

Dort darf ich dann natürlich frei laufen.

Und ja, klar komme ich irgendwann zurück.

Was denkt ihr denn.

Aber eben erst, wenn ich mich ordentlich ausgelebt habe und wirklich das Gefühl habe, der Wald wurde meiner Anwesenheit ausreichend gewahr.

Ein bisschen pöbeln muss erlaubt sein

Ich finde außerdem, auf so einem Spaziergang sollte ein bisschen Pöbeln schon drin sein.

Nicht exzessiv.

Kultiviert.

Dosiert.

Mit Maß und Würde.

Man kann ja nicht alles kommentarlos hinnehmen.

Außerdem passe ich hervorragend auf.

Dafür erwarte ich Superleckerli.

Leistung muss sich lohnen.

Das ist keine Gier.

Das ist ein gesundes Verhältnis zur eigenen Kompetenz.

Handyverbot für Zweibeiner

Wichtig ist mir auch ein striktes Handy und Monitor Verbot für euch beide.

Sobald ihr auf diese Dinger schaut, werdet ihr komisch.

Abwesend.

Verlangsamt.

Emotional minder ansprechbar.

Ihr seid dann körperlich noch da, aber seelisch bereits in irgendeinem digitalen Nebelgebiet unterwegs.

Das ist für mich keine tragfähige Rudelführung.

Sozialtermine müssen ebenfalls sein

Und dann möchte ich bitte noch bei Welfhard und Otti vorbei.

Nur kurz.

Superleckerli abholen.

Einmal durch den Garten jagen.

Schauen, ob Nelli da ist.

Nelli ist toll.

Eine charakterstarke Hundedame.

Kein Chaosfussel.

Kein emotionales Flummi-Gewerbe.

Ein Hund mit Format.

Ich sage es, wie es ist: Sie hat Kontur.

Abends bitte noch einmal alles für mich

Abends hätte ich dann gern wieder mindestens die dreifache Portion.

Ich sehe auch gar nicht ein, warum man bei so einem rundum gelungenen Tag am Futter sparen sollte.

Danach wünsche ich eine ausgedehnte Krauleinheit.

Von beiden.

Nicht so halbherzig im Wechsel.

Sondern richtig.

Synchron wäre schön.

Ich finde, wenn man schon Personal hat, darf man auch Standards entwickeln.

Und danach liegen wir bitte im Garten und jagen Katzen.

Also ich jage.

Ihr bewundert.

Das wäre angemessen.

Im Grunde bin ich leicht zufriedenzustellen

Wenn ich es mir recht überlege, ist mein perfekter Tag also gar nicht kompliziert.

Ein bisschen Exklusivität.

Ein bisschen Wald.

Ein bisschen Pöbeln.

Dreifaches Frühstück, dreifaches Abendessen, mehrfaches Kraulen, Handyverbot für die Menschen und eine klar geregelte Enjah Distanz.

Ich finde, das ist nicht überzogen.

Ich finde, das ist ein sehr realistisches Wohlfühlkonzept.

Und wenn ihr Glück habt, lasse ich euch sogar dabei sein.