Tag 124 oder Warum meine Masterthesis eigentlich längst mit zwei Hunden im Garten steht

Ein Professor, ein Bauchgefühl und die leise Hoffnung auf Ja

Mein Thema für die Masterthesis steht jetzt.

Also fast so, wie Dinge bei mir stehen, wenn sie innerlich längst beschlossen sind und außen noch ein Professor, ein Pitch und ein kleiner Rest akademischer Höflichkeit dazwischenliegen.

Ich hatte einen Termin mit einem Professor, bei dem ich sofort dieses seltene Gefühl hatte: Ah. Mit dem könnte ich mir so ein Projekt vorstellen.

Es gibt Menschen, bei denen man das einfach merkt.

Nicht rational.

Eher so, wie Flusen merkt, ob jemand ihm gleich wirklich vernünftig begegnet oder bloß hektisch an seiner Stirn vorbei streichelt.

Noch ist nicht ganz klar, ob er die Betreuung am Ende übernimmt.

Aber die Richtung stimmt.

Und manchmal ist das schon sehr viel.

Flusen lernt nicht wie Enjah und ich auch nicht wie irgendein Durchschnittsmensch

Ich darf das Thema frei wählen.

Was einerseits herrlich ist.

Und andererseits ungefähr dieselbe Wirkung auf mich hat wie einen sehr großen Süßwarenladen auf Enjah.

Freude, Überforderung, hoher Bewegungsdrang, alles gleichzeitig.

Was mich daran so packt, ist, dass dieses Thema im Grunde längst hier wohnt.

Zwischen Flusen und Enjah.

Zwischen Keks und Krise.

Zwischen stiller Klugheit und kreativem Kontrollverlust.

Denn wenn ich mit diesen beiden lebe, sehe ich jeden Tag, dass Lernen eben nicht einfach Lernen ist.

Flusen lernt in einer Art, die wirkt, als hätte jemand ihm von Geburt an einen kleinen inneren Professor eingesetzt.

Er schaut.

Er sortiert.

Er speichert.

Er macht aus Erfahrung fast lautlos Struktur.

Enjah hingegen lernt wie ein Feuerwerk mit Beinen.

Mit viel Begeisterung, viel Versuch, viel Irrtum, viel sofortigem Ganzkörperengagement und gelegentlicher Amnesie, sobald ein Blatt vorbeifliegt.

Beide sind klug.

Aber nicht gleich.

Nicht im selben Zustand.

Nicht mit derselben Begleitung.

Und genau da beginnt es für mich interessant zu werden.

Denn wir tun oft so, als müssten Menschen nur genug erklärt bekommen, dann würden sie schon lernen.

Als wären Hirne kleine ordentliche Regale und man müsse bloß das richtige Fach beschriften.

Dabei sehe ich doch jeden Tag, dass weder Hunde noch Menschen so funktionieren.

Nicht jeder kann im Stress gut lernen.

Nicht jeder braucht dasselbe.

Nicht jeder ist im gleichen Moment offen.

Und nicht jeder scheitert am Wissen.

Manche scheitern einfach daran, dass der innere Zustand gerade komplett gegen Aufnahmefähigkeit arbeitet.

Meine Thesis ist im Grunde eine höfliche Form von: Wie will dein Gehirn eigentlich gerade lernen

Mein Pitch kreist deshalb um eine Frage, die ich kaum noch loswerde.

Was wäre, wenn ein AI Agent nicht einfach nur antwortet, sondern versteht, wie ein Mensch genau in diesem Moment lernt.

Oder eben nicht lernt.

Was wäre, wenn da etwas wäre, das erkennt, ob jemand gerade Orientierung braucht, Ermutigung, Struktur, Ruhe, Herausforderung oder erst einmal eine sehr freundliche Form von: Lass uns kurz sortieren, bevor wir so tun, als sei das hier ein Wissensproblem.

Im Grunde möchte ich einen empathischen Agenten bauen.

Einen, der nicht nur Inhalt ausspuckt, sondern den Lernenden besser lesen kann.

Nicht als gruselige Gedankenpolizei.

Eher wie ein sehr gutes Gegenüber, das merkt, ob da gerade Flusen am Steuer sitzt oder Enjah.

Also ob jemand in einem ruhigen, aufnahmefähigen, strukturierten Zustand ist.

Oder eher im Modus innerer Wiesenexplosion.

Denn es macht ja einen Unterschied, ob ich jemandem etwas erkläre, während er bereit ist.

Oder während in seinem System gerade ein metaphorisches Reh über die Wiese schießt.

Der digitale Hundeplatz, nur mit DSGVO

Was mich daran fast genauso interessiert wie das Psychologische, ist der ganze technische Teil.

Das Programmieren.

Die KI.

Diese Frage, wie man so etwas baut, dass es wirklich nützt und sich nicht anfühlt wie ein digitaler Besserwisser mit Premiumzugang.

Und dann natürlich die andere Seite.

Datenschutz.

DSGVO.

EU AI Act.

Also all die Dinge, die nicht sexy klingen, aber am Ende darüber entscheiden, ob man so etwas guten Gewissens nutzen kann oder lieber nicht.

Ein empathischer Agent ohne Vertrauen ist ungefähr so sinnvoll wie Freilauf an einer vierspurigen Straße.

Theoretisch frei.

Praktisch kein besonders beruhigendes Konzept.

Genau deshalb will ich das nicht als nachträgliches Beiwerk behandeln.

Nicht erst klug, dann sicher.

Sondern beides zusammen.

Wie ein gutes Geschirr.

Es soll tragen, ohne zu würgen.

Null Resonanz ist auch eine Form von Antwort

Ich hatte kurz überlegt, das Ganze im Unternehmenskontext aufzubauen.

Dort, wo ich arbeite.

Schön eingebettet.

Sauber anschlussfähig.

Vielleicht sogar mit ein bisschen Rückenwind.

Dann fiel mir wieder ein, wie es bei meiner letzten Masterarbeit lief.

Nämlich ungefähr gar nicht.

Null Resonanz.

Null Unterstützung.

Was einerseits unerquicklich war.

Andererseits aber auch sehr klärend.

Manchmal ist ein ausbleibendes Echo einfach die etwas unromantische Art des Lebens zu sagen: Bau es woanders.

Also denke ich jetzt eher daran, es für mich zu bauen.

Für meine eigene Arbeit.

Für meine Kundinnen und Kunden.

Für diesen Bereich, in dem Persönlichkeitsentwicklung, Lernen und echte Begleitung sich nicht gegenseitig auslachen, sondern sinnvoll ineinandergreifen dürfen.

Und ehrlich gesagt fühlt sich das sehr viel lebendiger an.

Flusen würde es prüfen, Enjah würde sofort draufdrücken

Vielleicht liebe ich dieses Thema auch deshalb so sehr, weil es alles zusammenbringt, was mich ohnehin schon verfolgt.

Psychologie.

Lernen.

Muster.

Entwicklung.

Technik.

Sprache.

Sicherheit.

Und die sehr menschliche Hoffnung, dass es Formen von Begleitung geben kann, die nicht normieren, sondern wirklich unterstützen.

Flusen würde so einen Agenten vermutlich erst einmal mit Skepsis prüfen und dann nur nutzen, wenn er einen klaren Vorteil für seine Tagesstruktur erkennt.

Enjah würde wahrscheinlich sofort auf alles gleichzeitig klicken und nebenbei aus Versehen die Beta Version verbessern.

Und ich sitze dazwischen und hoffe gerade sehr, dass dieser Pitch durchgeht.

Dass ein Professor sagt ja.

Dass dieses Thema nicht nur in meinem Kopf schon lebt, sondern bald auch ganz offiziell.

Es wäre schön.

Nicht nur, weil ich es spannend finde.

Sondern weil ich zum ersten Mal seit Längerem das Gefühl habe, dass ein Thema mich nicht nur interessiert.

Sondern wirklich meint.

Vielleicht ist das am Ende das beste Zeichen.

Wenn sich etwas nicht wie Pflicht anfühlt.

Sondern wie ein Weg, den man schon geht, bevor er überhaupt genehmigt wurde.