22 Nov. Tag x mit Enjah – oder: Warum wir manchmal genau das bekommen, was wir nicht geplant haben
Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die ich mir nicht mal in einem Anflug kreativer Überdrehtheit ausdenken könnte. Diese hier beginnt an einem ganz gewöhnlichen Mittwoch – mit einer Nachricht von unserer Züchterin. Dort hatten wir vor 3,5 Jahren unseren ersten Miniature Australian Shepherd adoptiert: Flusen. Typ “liebevolle Chaoswolke”, aber mit Herz aus Gold.
Die Nachricht lautete ungefähr so:
„Habt ihr Interesse an einem zweiten Welpen? 10 Wochen alt. Ein Mädchen. Wurde nach zwei Wochen zurückgegeben – zu wild, zu anstrengend, die neuen Halter haben schon psychische Probleme.“
Ähm. Okay.
Die spontane Entscheidung, die eigentlich erst für nächstes Jahr geplant war
Eigentlich wollten wir erst im nächsten Jahr über einen zweiten Hund nachdenken. Ein ruhiger Welpe. Ein entspannter Bruder oder eine gemütliche Schwester für Flusen. So eine Art „Schlaftablette im Fell“.
Nun ja. Das Leben hat Gelächter im Hintergrund laufen lassen.
Nach ein paar Stunden Bauchgefühl-Abwägung sagten wir zu. Und heute haben wir Enjah abgeholt. Flusen im Auto, damit er gleich live und in Farbe erlebt, was wir da anschleppen.
Die Fahrt? Überraschend harmonisch.
Die Ankunft zuhause? Nennen wir es „kontrolliertes Chaos“.
Flusen vorsichtig schnuppernd, Enjah wie ein kleiner Raketenstarter auf Zucker.
Flusen korrigierte sie mehrfach. Sie merkte es sich für… exakt zwei Minuten. Dann wieder volle Energie voraus.
Am Abend: Boxenruhe. Zusammen im Zimmer. Ging gut – zumindest nachdem wir die beiden kurz trennen mussten, weil Flusen irgendwann fand, dass Welpen-Energie auch Grenzen kennen sollte.
Enjah ist ein Wirbelwind. Ein Mini-Systemsprenger auf vier Pfoten.
Was das alles mit Urteilen zu tun hat
Oh, eine ganze Menge.
Kaum hatten wir zugesagt, prasselten die Stimmen von außen auf uns ein:
„Macht das bloß nicht.“
„Ein zweiter Hund? Seid ihr wahnsinnig?“
„Und dann noch die Rasse?!“
„Ihr seid verrückt.“
Vielleicht sind wir das.
Aber mal ehrlich: Wofür ist dieses Leben da?
Um brav angepasst durchs Leben zu schleichen?
Oder um seinen eigenen Weg zu gehen – auch dann, wenn alle Nicken und Sicherheit wollen?
Interessant war mein eigenes Gefühl:
Es war, als hätte ich etwas falsch gemacht.
Ja, sogar Scham.
Scham dafür, dass andere vermeintlich wissen, was „richtig“ ist – und ich mich kurz davon verunsichern ließ.
Und da war mir klar:
Da zeigt sich ein altes Thema, das noch einmal an die Oberfläche will.
Ein Thema, das mir sagt: Nur DU kannst wissen, was für dich richtig ist. Niemand da draußen.
Enjah ist für mich kein Zufall.
Ich glaube nicht an Zufälle.
Ich glaube daran, dass sie jetzt in unser Leben gehört – mit all ihrer Wildheit, Energie und liebevollen Überforderung.
Vielleicht ist sie genau der Spiegel, den wir gerade brauchen.
Vielleicht ist sie die Lehrmeisterin, von der ich nicht wusste, dass ich sie bekommen würde.
Vielleicht ist sie aber auch einfach nur ein extrem süßer kleiner Chaosfloh.
Oder alles zusammen.
Wie ging es weiter? Tag 2 ist jetzt online!
Die erste Nacht, der nächtliche Zerstörungs-Snack, mein Kampf mit Kontrolle und Überforderung, und was mich dieser Welpe über Urteile lehrt.
Hier liest du Tag 2: Wenn das Leben dir zeigt, wie wenig du kontrollierst
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