In Freiburg wurde zunächst geprüft, ob ein lokal betriebenes, deutschsprachiges Sprachmodell überhaupt brauchbare klinische Dokumentation erzeugen kann. Zwei menschliche Rater bewerteten 95 von 102 erzeugten Berichten – 93,1 % – übereinstimmend als direkt verwendbar oder nur geringfügig änderungsbedürftig (Heilmeyer et al., 2024). Diese Zahl beschreibt die praktische Verwendbarkeit in einem eng definierten Dokumentationssetting. Sie ist keine allgemeine Quote für medizinische Richtigkeit von LLM-Ausgaben.
Die spätere Freiburger Real-World-Studie ging einen Schritt weiter. Der Assistent war in den elektronischen Dokumentationsprozess eingebettet und schlug Textfortsetzungen auf Basis der vorhandenen Patientenakte vor. Über zwölf Monate wurden 15.615 Dokumente von 27 Ärztinnen und Ärzten ausgewertet. Die Dokumentationseffizienz verbesserte sich in der Gruppe der KI-Nutzenden stärker; der Interaktionseffekt zwischen Gruppe und Exposition war statistisch signifikant (p = 0,045). Bei der Zahl der Überarbeitungen durch vorgesetzte Ärztinnen und Ärzte zeigte sich dagegen kein statistisch signifikanter Interaktionseffekt (Heilmeyer et al., 2026).
In Bonn ergab sich ein anderes Bild. Nach Einführung eines KI-gestützten Computer-Aided-Detection-Systems für Prostata-MRT stieg die mittlere gesamte Durchlaufzeit von 16,99 auf 18,77 Minuten; dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant. Bei Fällen mit hohem Verdacht stieg die diagnostische Lesezeit signifikant von 15,73 auf 23,07 Minuten. Veränderungen der selbst berichteten Arbeitsbelastung oder des Stresses wurden nicht gefunden (Wenderott et al., 2024).
An der Universitätsmedizin Magdeburg wurde wiederum keine einzelne klinische Spezialanwendung untersucht, sondern eine selbst gehostete LLM-Plattform für unterschiedliche Berufsgruppen. 322 Personen hatten sich registriert; 91 vollständige Antworten gingen in die Auswertung der freiwilligen Nutzerbefragung ein. 40 dieser 91 Befragten berichteten eine wöchentliche Zeitersparnis von mindestens 30 Minuten. Die Autoren weisen auf Selbstselektion, Selbstauskunft und den spezifischen lokalen Kontext hin (Grünig et al., 2026).
Diese Beispiele lassen sich nicht sinnvoll zu einer gemeinsamen „Wirksamkeitszahl“ verrechnen. Sie untersuchen verschiedene Technologien, Aufgaben, Outcomes und Implementierungsformen. Genau deshalb sind sie für eine Bestandsaufnahme hilfreich: Sie zeigen, wie breit die Kategorie „KI im Krankenhaus“ geworden ist.