Flusen ist höflich, mein KI Team nicht, und genau das ist herrlich

Eine Woche ist um.

Und ja, die Beziehung zwischen Enjah und Flusen ist weiterhin stabil.

Ich schreibe das fast vorsichtig hin, weil Enjah läufig ist und man bei hormonellen Themen im Rudel besser nicht zu früh triumphierend mit der inneren Blaskapelle durchs Wohnzimmer marschiert.

Sie ist noch nicht in der Stehphase.

Flusen hat mehr Interesse an ihr.

Natürlich hat er das.

Er ist ja kein dekoratives Kissen mit Fell und Stehohren, sondern ein Rüde mit Nase, Erfahrung und vermutlich sehr vielen inneren Tabellen, die gerade aktualisiert werden.

Aber er bleibt höflich.

Und das berührt mich.

So ein stilles, echtes Berührtsein.

Er ist interessiert, aber nicht übergriffig.

Er nimmt wahr, aber drängt nicht.

Er ist da, aber macht sich nicht breit.

Wenn ich ehrlich bin, zeigt Flusen gerade in einer hormonell durchaus anspruchsvollen Situation mehr soziale Kompetenz als manche Menschen in einem Workshop.

Hormone im Rudel und ein sehr höflicher Flusen

Was sich ein bisschen verändert hat:

Enjah behauptet ab und an das Wasser für sich.

Sie steht dann da, klein, rundäugig, hormonell beleuchtet, und sagt mit ihrem ganzen Körper:

Dieser Napf gehört jetzt offenbar mir. Historisch betrachtet war das schon immer so.

Und Flusen?

Geht nicht ran.

Er akzeptiert es.

Nicht dramatisch.

Nicht beleidigt.

Nicht mit passiv aggressivem Seufzen neben dem Wassernapf.

Er nimmt es hin.

Vielleicht denkt er sich seinen Teil.

Vielleicht schreibt er innerlich eine Beschwerde an die Rudelverwaltung.

Aber äußerlich bleibt er souverän.

Und ich stehe daneben und denke:

Interessant.

Sehr interessant.

Denn während hier im Rudel Hormone, Ressourcen und höfliche Grenzen verhandelt werden, werde ich beruflich gefragt, ob mein Ziel eigentlich eine Führungsrolle sei.

Wenn Klarheit plötzlich zu viel ist

Oh nein.

Auf gar keinen Fall.

Wirklich nicht.

Ich habe Führung erlebt.

Ich hatte mein Team.

Damals war das schön, wichtig, lebendig, anders.

Aber heute?

Heute möchte ich keine Führungsrolle mehr, in der man jedes Wort in Watte einwickeln muss, damit niemand beim Auspacken aus Versehen eine Kante spürt.

Eine handzahme Beobachtung mit Kuscheldecke

Ich möchte nicht den ganzen Tag Sätze sagen wie:

Spannender Ansatz, vielleicht könnten wir gemeinsam noch einmal schauen, wie wir dein Potenzial in Richtung Aufgabenstellung entfalten.

Wenn ich eigentlich meine:

Du hast die Aufgabe nicht gemacht.

Ich weiß, ich weiß.

Wertschätzung.

Psychologische Sicherheit.

Augenhöhe.

Alles wichtig.

Wirklich.

Aber manchmal habe ich das Gefühl, wir haben Klarheit mit Härte verwechselt und Kritik mit Gewalt.

Manchmal reicht schon ein vorsichtiges:

Hm. Okay. Dann wird es jetzt für dich mit den aufbauenden Aufgaben etwas schwierig.

Und zack.

Innerer Systemabbruch.

Die nächste Aufgabe wird ausgesetzt.

Die übernächste auch.

Und ich sitze da und denke:

Oh nein.

Das war schon zu viel Kritik.

Dabei war das noch nicht einmal Kritik.

Das war eine handzahme Beobachtung mit Kuscheldecke.

Vielleicht bin ich da altmodisch.

Vielleicht bin ich auch einfach durch ein Berufsleben gegangen, in dem Kritik nicht vorher gefragt hat, ob sie gerade willkommen ist.

Ich habe sie gehört.

Oft.

Manchmal hilfreich.

Manchmal unnötig.

Manchmal ungefähr so feinfühlig wie ein Einkaufswagen am Knöchel.

Aber sie hat mich auch angestachelt.

Nicht immer sofort.

Erst mal hat sie manchmal gekränkt.

Natürlich.

Ich bin ja kein Edelstahlmöbel.

Aber irgendwann kam oft dieser kleine innere Trotz.

Ach so?

Findest du?

Na warte.

Und dann habe ich mich hingesetzt und es besser gemacht.

Oder zumindest anders.

Oder mit mehr Kaffee.

Mein kleines Utopia der Arbeitswelt

Und dann baue ich mir ausgerechnet jetzt ein kleines zwölfköpfiges KI Agententeam.

Natürlich.

Ich will keine Führungskraft mehr sein, aber offenbar konnte ich es nicht lassen, mir heimlich eine digitale Abteilung zusammenzustellen.

Zwölf Agenten.

Zwölf Rollen.

Zwölf kleine künstliche Egos, die mit mir arbeiten.

Und das Schönste ist:

Beim Onboarding habe ich ihnen direkt gesagt:

Will to please ist verboten.

Ich möchte keine künstlichen Praktikanten, die alles toll finden, was ich sage.

Ich möchte keine digitalen Ja Sager mit höflich nickender Benutzeroberfläche.

Ich möchte Konflikte.

Weil Konflikte für mich Wachstum bedeuten.

Ich möchte, dass sie Egos sind.

Richtig überzeugte Egos.

Jeder soll glauben:

Ich bin der Beste.

Meine Perspektive ist unverzichtbar.

Ohne mich wird das hier mittelmäßig.

Bessere gibt es nicht.

Alle sollen für ihre Position in den Ring steigen.

Nicht beleidigt.

Nicht zickig.

Nicht passiv aggressiv mit virtueller Kaffeetasse in der Ecke.

Sondern klar.

Überzeugt.

Streitbar.

Der digitale Gockelstall

Ich bin dann nicht die Chefin im klassischen Sinne.

Ich bin die Visionsgeberin.

Und manchmal die Dompteurin eines sehr nerdigen Zirkus.

Ich moderiere die Konflikte.

Ich höre zu.

Ich lasse sie gegeneinander argumentieren.

Ich sortiere.

Ich entscheide.

Ich hole aus diesem digitalen Gockelstall das Beste heraus.

Und ehrlich?

Es ist herrlich.

Eine Welt, in der ich sagen darf:

Boah, das war richtig schlecht. Strengt euch mal mehr an.

Und niemand muss danach erst drei Wochen verarbeiten, dass meine Formulierung möglicherweise nicht ressourcenorientiert genug war.

Niemand ist beleidigt.

Niemand zieht sich zurück.

Niemand setzt die nächste Aufgabe aus.

Niemand schreibt innerlich eine E Mail an den Betriebsrat.

Die Agenten arbeiten weiter.

Besser.

Schärfer.

Klarer.

Manchmal fast so, als hätten sie verstanden, dass Kritik nicht das Ende der Beziehung ist.

Sondern der Anfang von Qualität.

Mein kleines Utopia der Arbeitswelt.

Eine Welt, in der Konflikt nicht gefährlich ist.

Eine Welt, in der man sich reiben darf, ohne dass sofort jemand zerbricht.

Eine Welt, in der nicht alle lieb sein müssen, damit Zusammenarbeit funktioniert.

Vielleicht ist das der Punkt.

Ich will gar keine Härte.

Ich will keine Kälte.

Ich will keine Arbeitswelt, in der Menschen sich gegenseitig niederbügeln und das dann Effizienz nennen.

Davon hatten wir genug.

Mehr als genug.

Ich will Klarheit.

Ich will Spannung.

Ich will Reibung ohne Vernichtung.

Ich will Menschen, oder offenbar inzwischen auch Maschinen, die nicht zusammenbrechen, nur weil jemand sagt:

Das überzeugt mich noch nicht.

Vielleicht ist das der Unterschied.

Kritik als Angriff macht klein.

Kritik als Kontakt macht wach.

Und ja, das klingt jetzt vielleicht ein bisschen pathetisch für eine Frau, die parallel beobachtet, ob ihre läufige Hündin den Wassernapf annektiert.

Aber vielleicht passt es genau deshalb.

Denn Flusen zeigt mir gerade etwas über höfliche Impulse.

Enjah zeigt mir etwas über Ressourcen, Hormone und die Frage, wie viel Raum man beanspruchen darf.

Und mein KI Team zeigt mir etwas über eine Sehnsucht, die ich offenbar schon lange habe:

Ehrlich arbeiten dürfen.

Direkt sein dürfen.

Nicht immer alles weichkochen müssen, bis aus einem klaren Gedanken ein lauwarmer Brei wird, den keiner mehr kauen kann.

Vielleicht ist Flusen in diesem ganzen Artikel der eigentliche Held.

Er hat Interesse.

Er hat Impulse.

Er hat Grenzen.

Aber er bleibt höflich.

Nicht will to please.

Nicht unterwürfig.

Nicht konfliktscheu.

Nur sozial.

Und vielleicht wäre das die schönste Arbeitswelt:

Menschen mit Flusens Höflichkeit.

Enjahs Lebendigkeit.

Und KI Agenten, die sich nicht beleidigen lassen, wenn man ihnen sagt, dass ihr erster Entwurf leider aussah wie eine PowerPoint aus einem fiebrigen Behördenkeller.